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Evangelische Kirchengemeinde Niddatal

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Grußwort von Pfarrerin Mirjam Welsch

Goldene Felder, dankbare Herzen 

Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, wird gerade die Ernte eingefahren. Überall auf den Feldern liegen große, runde Strohballen und die abgeernteten Felder leuchten golden in der Sonne unter einem weiten, blauen Himmel. Die Ernte prägt das Bild unserer Landschaft.

Dabei denke ich an ein Gespräch zurück, das ich kürzlich nach einem Gottesdienst geführt habe. Jemand sprach mich darauf an, dass ich den Beginn der Ernte im Fürbittengebet nicht erwähnt hatte. Diese Rückmeldung hat mich noch lange beschäftigt.

In unserem Gespräch wurde mir bewusst, wie sehr gerade hier in der Wetterau noch immer der Rhythmus der Natur und der Wechsel der Jahreszeiten das Leben und Arbeiten vieler Menschen prägt. Mir selbst ist dieses Lebensgefühl ein Stück weit verloren gegangen. Ich bin es gewohnt, jederzeit in den Supermarkt gehen zu können und dort alles zu finden, was ich zum Leben brauche. 

Die Begegnung hat mich nachdenklich gemacht. Wie sehr sind wir auch heute noch eingebunden in den Rhythmus der Jahreszeiten? Wie abhängig sind wir von Sonne und Regen, von fruchtbaren Böden und der Arbeit vieler Menschen? Und wie dankbar dürfen wir für eine gute Ernte sein – dafür, dass wir genügend Lebensmittel haben und täglich satt werden? Nehmen wir die Mühe der Menschen wahr, die unsere Felder bestellen, Obst anbauen und Tiere versorgen? Und bringen wir ihrer Arbeit die Wertschätzung entgegen, die sie verdient? 

Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist das meiste Getreide längst eingebracht. Doch die Ernte geht weiter: Kartoffeln und Kürbisse, Äpfel, Birnen, Pflaumen und vieles mehr wird in den kommenden Wochen geerntet. 

Bald feiern wir in unseren Gemeinden Erntedank. Das ist eine gute Gelegenheit, bewusst innezuhalten und dankbar auf die Gaben der Schöpfung zu schauen. Zugleich werden wir erinnert, die Arbeit und Mühe der Menschen wert zu schätzen, die hinter all dem steht, was uns täglich ernährt. 

Und vielleicht stimmen sie dann auch in die Worte aus Psalm 104 ein, mit denen Menschen schon vor mehr als 2000 Jahren voller Dankbarkeit und mit fröhlichem Herzen Gott für den Reichtum der Schöpfung gepriesen haben: 

Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz. Gott, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter.“ 

Ihre Pfarrerin Mirjam Welsch